Die Schweiz, der Schlegel, die Hunde und ich

So schön die Schweiz auch als Urlaubsland ist – ich bin nicht zufällig hier. Vor einigen Wochen war etwas passiert und ich hatte das Gefühl, dass ich genau hierher müsste, um meine und ihre Welt wieder gerade zu rücken.

 

Carotte, meine Riesenschnauzerhündin, hatte sich den kleinen Hund meiner Freundin gegriffen und wirklich böse zugerichtet. Es war nicht Carottes Schuld. Ich habe nicht aufgepasst, meine Freundin hat nicht aufgepasst und dann war es passiert. Das Geräusch von reißender Haut werde ich ganz sicher so bald nicht vergessen können. Und obwohl ich rational wusste, dass Carotte einfach instintiv gehandelt hat, hat dieser Vorfall mich aus meiner Mitte geschüttelt.

 

Meine so mühsam errungene Gelassenheit mit meinem Hund war futsch. Mein Vertrauen in Carotte angeknackst. Und obwohl meine Freundin mir überhaupt keine Schuld an diesem Vorfall gibt – er ist irgendwie trotzdem präsent, wie der sprichwörtliche „elephant in the room“, über den keiner redet, den aber trotzdem jeder sieht. Der Vorfall wurde im Freundeskreis besprochen, Carottes Wesensfestigkeit in Frage gestellt, ihr Gefahrenpotential diskutiert.

 

Und dann bot sich für mich die Gelegenheit, zu Hans Schlegel in die Schweiz zu fahren.

 

Er hatte zufällig genau zu Anfang meiner Ferien Zeit, sich meine Hunde anzugucken und mit uns zu arbeiten. Detlev war wieder genesen, ich wollte sowieso Richtung Frankfreich fahren – mein Plan stand fest.

 

Es gehört zu Hans Schlegels Konzept, zunächst eine gründliche Anamnese zu machen, sich den jeweiligen Hund genau anzugucken und davon ausgehend einen Trainingsplan zu erarbeiten und zu etablieren. Es war mir wichtig, dass meine beiden Hunde angeguckt werden, Carotte und Digger, weil ich sehr sicher war, dass bei vielen Aktionen meiner Hunde Digger der Auftraggeber ist und Carotte sein ausführender Vasall. Und, um das schon mal vorweg zu nehmen, genau das ist tatsächlich der Fall.

 

Nachdem Hans mich zunächst gründlich nach Carotte befragt hat, hat er sie in vielen verschiedenen Situationen, vor allem mit seinen Hunden, beobachtet, zunächst mit und dann, abgesichert durch einen Maulkorb, später auch ohne Leine. Am Ende kam er zu der Einschätzung, dass Carotte  kein schwieriger Fall sei und nichts, was ich nicht gut wieder in den Griff kriegen könne. Darüber hinaus, so seine Einschätzung, ist Carotte eher eine Hund, der Stress vermeiden und Ärger aus dem Weg gehen will, statt gezielt Hunden eins auf die Mütze zu geben.

 

Meinen Border Collie Digger fand Hans schön, vom Wesen her super und ausgesprochen gut zu führen. Auch er beleibe kein schwieriger Fall.

 

Interessant wurde es aber dann, als wie beide Hunde zusammen draußen hatten und mit ihnen spazieren gegangen sind. Hier bestätigte Hans, was auch mein Gefühl war: Beide Hunde zusammen sind wirklich gut miteinander, aber es ist deutlich, dass Digger der „Stimmungsmacher“ und Carotte unruhiger ist, wenn sie mit Digger zusammen draußen unterwegs ist. Insgesamt aber war Hans noch immer der Meinung, auch die beiden zusammen sei nichts, was ich nicht auf die Kette kriegen würde.

 

Und dann ging es los mit dem Training und Hans hat wirklich alles gegeben. Hat Digger und Carotte mt seinen Hunden laufen lassen, hat Begegnungen mit anderen Hunden arrangiert, hat mir Möglichkeiten gezeigt, „mich einzubringen“, wie er es nennt und Digger aber vor allem auch Carotte Lernchancen im Umgang mit fremden Hunden gegeben. Und vor allem hat er mir gezeigt, wie gelassen und gut meine Hunde sind, auch Carotte, neben all den Herausforderungen, die sie immer wieder an mich stellt.

 

Letztlich, sagte er, sei die Beißerei mit dem Hund meiner Freundin natürlich unglücklich gewesen, aber nicht das Ende der Welt. Ein Bild in meinem Kopf, dass ich auch wieder löschen darf.

 

Vicky war natürlich auch mit bei Hans. Aber weil sie schon so alt und manchmal auch ganz schön starrsinnig ist, mittlerweile wirklich stocktaub und auch nicht mehr so wirklich gut sehen kann, wollte ich mit ihr nicht mehr arbeiten und schon gar nichts an ihr verändern. Vicky ist ein toller Hund und trotz ihres Alters noch immer in der Lage, auch einen jungen pubertirenden Ridgebackrüden in seine Schranken zu weisen, wenn die Umstände es erfordern.

 

Ich bin sehr froh, dass Hans meine Welt wieder gerade gerückt und versucht hat, mich auf meinen Weg zurückzuführen. Ob und wenn ja wie nachhaltig ihm das gelungen ist, wird die Zukunft zeigen.

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