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Einsamkeit

Es ist eignetlich immer so, am Anfang der Ferien oder auch am Freitagabend, zum Start ins Wochenende. Seit Wochen oder seit Tagen freue ich mich aufs Losfahren, ich bereite alles vor, bin euphorisch und kann eskaumerwarten, mich endlich ins Wohnmobil zu schwingen und mit Detlev in den Sonnenuntergang zu fahren. 
Auf der Fahrt bin ich beschwingt, ich freue mich, wenn der Stellplatz in Sicht kommt und noch mehr freue mich dann, wenn ich einen schönen Platz für Detlev und mich gefunden habe. Ich parke, schmeiße den Kühlschrank an, sehr selten hänge ich mich auch mal an den Strom - und dann bin ich da. 
Am ersten Tag bzw. am Freitagabend merke ich es noch nicht so. Ich bin müde und kaputt von der Woche oder von der Zeit vor den Ferien. Darum drehe ich meistens nur noch eine lange oder auch etwas kürzere Runde mit den Hunden, lese vielleicht, wenn ich nicht zu müde bin, noch etwas in meinem Buch und dann gehe ich ins Bett, erleichtert, dass ich endlich schlafen kann.  

Und dann kommt die Einsamkeit

Ich habe unlängst einige gute YouTube-Videos zu dem Thema „Einsamkeit“ gesehen und dort wurden immer irgendwelche klugen und auch tröstlichen Dinge zu diesem Thema gesagt. Bestimmt waren dieauchwahr, aber ich habe leider vergessen, mir das irgendwo aufzuschreiben. Mein liebster Freund sagt immer, wenn ich losfahre: „Denk dran, auf der anderen Straßenseite geht es zurück.“ Das ist der beste Rat und vor allem der beste Trost, den er mir geben könnte. Ohne ihn hätte ich es letzten Herbst zum Beispiel niemals in die Normandie geschafft. 
Ich glaube, es ist einfach so, dass das Reisen in Detlev, dieses Alleinsein auf doch sehr eingeschränktem Raum, in ganz und gar fremder Umgebung, mich ganz anders auf mich zurückwirft, als wenn ichzu Hause bleiben würde. Dort könnte ich, wenn ich wollte, jederzeit meinen Freund anrufen, meine Freundinnen treffen oder einfach nur aus dem Haus gehen und wenigstens bei dem Pizzabäcker an der Ecke eine Pizza bestellen. Unterwegs mit Detlev geht das alles nicht. 

Jeder Mensch ist einsam

Persönlich glaube ich, dass jeder Mensch einsam ist. Mal mehr und mal weniger und vielleicht auch nicht immerzu. Vor allem aber tun wir viel dafür,  diese Einsamkeit nicht spüren zu müssen. DasInternet ist voll mit Beispielen davon. Wenn wir Bilder von uns auf Partys posten oder vom Urlaub mit dem Freund, der Clique, erfüllt das doch vor allem den einen Zweck, der Welt und damit auch unsselbst zu zeigen: Seht her, ich bin nicht einsam, ich unternehme viel, bein ständig von Leuten umgeben, mein Leben ist reich und bunt.
Fast habe ich das Gefühl, es ist ein wie ein persönliches Manko, ein Defizit, wenn man von sich selber sagt: „Seht her, ich bin einsam. Manchmal jedenfalls.“ Es ist wie ein Tabu. Man sagt einfach nicht von sich, dass man einsam ist. Als wenn man es dann irgendwie nicht geschafft hat. Ausgestoßen, versehrt. So etwas in der Art.
Paul Simon schon singt in einem seiner älteren Songs, den er selbst als seinen „neurotistischen“, aber vielleicht auch seinen ehrlichsten, nennt, er sei ein Fels und eine Insel. Ich glaube, dass das den Kern unserer Menschlichkeit ausmacht. Wir sind alleine in unserer Haut, kein Mensch kennt den anderen, auch Hesse wusste davon. Ich glaube, solange wir uns mit Menschen umgeben, sind wir vielleicht genauso einsam, wie wenn wir alleine sind, aber wir müssen die Einsamkeit eben nicht so spüren.

Die Einsamkeit spüren

Meine Erfahrung ist jedenfalls, dass ich meine Einsamkeit zulassen muss. Ihr Raum geben muss, sich in mir auszubreiten, sie in mir spürbar werden zu lassen. Wenn es zu schlimm wird -was in jedem Urlaub und eigentlich auch an jedem Wochenende mindestens einmal der Fall ist - rufe ich meinen liebsten und besten Freund an. Das hilft einfach immer. Nicht um der Einsamkeit zu entfliehen. Sondern um die Einsamkeit aushaltbar zu machen. Sie zu begrüßen wie einen alten Freund, sie auf ein paar Stunden oder auch ein paar Tage bei mir zu Gast zu haben und sie dann wieder gehen können zulassen. 

Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut wird...

... na, wir kennen ja den Rest. Aber es wird tatsächlich am Ende alles gut. Immer. Ich habe so nette Leute getroffen auf meinen Reisen. So viele interessante Gespräche geführt, Orte gesehen, Dinge unternommen. Gelesen, gemalt,geschrieben...Irgendwann ist es einfach schön mit mir alleine. Dann bin ich eins mit mir und der Welt und meinem Leben - auch mitder Einsamkeit, dass ich es immer schade finde, wenn es irgendwann wieder nach Hause geht. Dorthin, wo Menschen auf mich warten. Wo ich mich mit der Einsamkeit nicht mehr so beschäftigen muss.
Heute Abend allerdings, da bin ich noch nicht so weit. Da hat die Einsamkeit sich offensichtlich noch nicht genug ausgebreitet in mir. Zum Glück gibt es die andere Seite der Straße. Just in case...

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