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Warum es gut ist, ein Spezialist zu sein - vor allem wenn man keine Ahnung hat.

Ich bin mir absolut sicher: Wenn ich in „meiner“ Wohnmobil-Werkstatt anrufe, dann blinkt das große Dollarzeichen und über die Bildschirme der sehr netten Damen in der Anmeldung läuft eine Eilmeldung: „Achtung, Achtung, Kundin nimmt alles,, was total sinnfrei ist und sonst auch keiner haben will.“ Und das liegt in erster Linie nicht daran, dass meine Werkstatt so schuftig und geldgierig ist – es liegt vor allem an meiner vollkommenen Ahnungslosigkeit, gepaart mit einer gewissen Affinität zu kleinen und großen Gadgets.

 

Ich sagte es schon einmal in einem anderen Artikel, im Grunde genommen dürfte man mich mit Detlev überhaupt nicht auf die Straße lassen und schon gar nicht alleine in die Werkstatt. Denn dort werde ich unter Garantie einen Haufen Geld los, das ich eigentlich gar nicht habe und bin dafür um die ein oder andere Finesse an und in Detlev reicher, die ich im Grunde nie gebraucht habe. Meine Hunde fangen schon einmal an, ihr Futter zu horten. Für schlechte Zeiten.

 

Meine aktuelle Ahnungslosigkeit heißt „absenkbarer Fahrradträger“. Den glaubte ich dringend haben zu müssen, weil es so mühsam war, mein Fahrrad auf den bisherigen Fahrradträger zu hieven, den mir mein sehr netter Wohnmobilhändler letztes Jahr so liebevoll noch auf zwei Fahrräder gekürzt hatte, damit er nicht so weit hinter Detlev rausragt. Aber ich bin sehr klein und und auch nicht wahnsinnig durchtrainiert und es war für mich immer grenzwertig schwierig, mein Fahrrad, auch wenn es nur mein Klappfahrrad ist, auf den Fahrradträger zu heben und und von dort auch wieder runterzuhieven. Sobald ich mal auf einer schrägen Ebene geparkt hatte und ich dadurch etwas tiefer hinter dem Fahrradträger zu stehen kam, war es mir fast nicht mehr möglich, noch an mein Rad zu kommen. Und das galt für mein Klappfahrrad. Ein einziges Mal bisher musste ich notgedrungen mein normales, großes Fahrrad auf dem Gepäckträger festschnallen und wäre daran fast verzweifelt. Deshalb die Idee mit dem absenkbaren Fahrradträger.

 

In der Theorie fand ich diese Idee super. Und auch meine örtliche Wohnmobil-Werkstatt hat mich in diesem Glauben gelassen. „Super Idee, liebe Kundin. Sollten Sie unbedingt machen. Wenn Sie danach immer noch keine Privatinsolvenz angemeldet haben, finden wir sicher noch andere Dinge, die die Welt nicht braucht, die Ihrem Wohnmobil aber unglaublich gut zu Gesicht stehen würden.“

 

Ich hatte Detlev also frohgemut in der Werkstatt angemeldet und weil besagte Dollar-Lampe dort währenddessen ganz sicher in den hellsten Farben geleuchtet hat, bekam mein Wohnmobil bei der Gelegenheit noch gleich eine Komfortwäsche spendiert und eine Gasprüfung, die noch überhaupt nicht fällig gewesen wäre. Okay, ich hätte mal selber in das gelbe Gasprüfungsheft gucken können, aber ich muss zugeben, bevor ich Selbiges zum obigen Termin in der Werkstatt abgeben musste, hatte ich seine Existenz total verdrängt. Eigentlich wäre die Gasprüfung nämlich überhaupt noch nicht dran gewesen. Aber gut. Jetzt ist Detlevs Gasanlage geprüft, genau wie vor zwei Wochen sein Zahnriemen gewechselt wurde, weil man angeblich dem Riemen nicht ansehen kann, ob er gewechselt werden muss oder nicht. Möglich, dass das stimmt. Möglicherweise leuchtet aber auch in der Fiat-Werkstatt genau die selbe Lampe auf, die schon in der Wohnmobil-Werkstatt immer Alarm gibt, sobald ich anrufe.

 

Heute war es also so weit, ich durfte Detlev nach seiner Schönheitsoperation und erfolgter Gasprüfung wieder nach Hause holen: Zunächst einmal bin ich ganz begeistert, als ich Detlev so schnieke auf dem Hof stehen sehe. Seine Wäsche hat ihm gut getan, nach den Fahrten durch viel zu schmale Waldstraßen und an der Küste der Normandie entlang, erstrahlt er nun wieder in neuem Glanz. Schön sieht er aus, mein Detlev. Und auch sein neuer Fahrradträger kann sich zunächst einmal sehen lassen. Sieht irgendwie solide aus und seriös. Aber, da geht es schon los, ich habe keine Ahnung, wie ich das neue Gerät bedienen soll. Ich kriege es nicht einmal auseinander geklappt, um das Fahrrad zu verladen, mit dem ich zur Werkstatt gekommen bin, um Detlev abzuholen.

 

Zum Glück laufen mir auf den Hof zwei hilfsbereite junge Männer über den Weg, die ich gleich verhafte, um mich in die Bedienung meines neuen Gepäckträgers einzuweisen. Gut, dass ich mein Fahrrad dabei hatte. Sonst wäre ich sicher einfach so vom Hof gebraust und hätte bei der nächsten Tour keinen blassen Schimmer gehabt, wie ich mein Fahrrad und Detlev zusammenbringen soll.

 

Um es gleich zu sagen, ich habe neulich eine Dokumentation über ein Ehepaar gesehen, das mit seinem Wohnmobil durch Cornwall gefahren ist. Der Mann, der für alle Dinge das Wohnmobil betreffend zuständig war, hat in dieser Doku sage und schreibe 15 Minuten gebraucht, um die beiden Fahrräder des Ehepaares vom Fahrradträger zu holen, Arbeitshandschuhe für diese Aktion inbegriffen. Beim Gucken der Doku habe ich mich darüber noch amüsiert – seit heute verstehe ich, warum das Abladen eines Fahrrads so lange dauern kann. Ich werde in Zukunft wahrscheinlich doppelt so lange brauchen.

 

In Zukunft muss ich aber nicht nur mehr Zeit für das Auf- und Abladen des Fahrrades einplanen, sondern am besten auch gleich 1-2 Meter mehr Abstand nach hinten.. Tatsächlich senkt sich mein neuer Fahrradträger nämlich nicht einfach so nach unten ab, wie ich es von ihm erwartet hätte. Er entfaltet sich zunächst nach hinten und dann erst nach unten. Mein neuer Fahrradträger hat ein sehr einnehmendes zeit- und platzeinnehmendes Wesen.

 

Darum also ist es gut, ein Spezialist zu sein in seinen Hobbys, sich in tausend einschlägigen Foren eingeschrieben und einen Haufen Fachbücher und/oder entsprechende YouTube-Videos verschlungen zu haben. Und wenn man all das schon nicht getan hat, ist es gut, entweder ein Mann zu sein oder so zu tun, als ob man wahnsinnig Ahnung hat. Am besten beides. Denn ansonsten endet man wie ich, mit einem Haufen Ausrüstung, die die Welt nicht braucht.

 

Ich überlege ernsthaft, auf Rollschuhe umzusteigen. Oder auf ein Longboard. Oder vielleicht ein Klapproller, der passt sicher noch irgendwo in das Gepäckfach. Wahrscheinlich ist es aber so, dass es selbst für Rollschuhe noch irgendwelche Spezialvorrichtungen gibt, die ich mir irgendwo ans Wohnmobil schrauben lassen könnte. Ich werde das demnächst mal mit meiner örtlichen Wohnmobil-Werkstatt besprechen. Da gibt es sicher eine Lösung für mich.