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Detlev und ich bei den Normannen – Der Reise 2. Teil

Nachdem ich also in der Normandie angekommen und Le Tréport und Etrétat besucht hatte, wollte ich auf jeden Fall noch nach Honfleur. Der 2. Band meiner neu entdeckten Normandie-Krimis von Benjamin Cors, Küstenstrich, spielt u.a. in der Umgebung von Honfleur, wo ganz am Anfang des Romans schon eine Leiche direkt auf der Pont de Normandie gefunden wird. Angebunden. Von der Brücke hängend. Wie ich schon zugab, ich bin da ein bisschen ein Groupie. Und außerdem wurde mir Honfleur als wirklich hübsch beschrieben.

Honfleur

Aire de Camping Car Honfleur

Honfleur war wirklich toll. Eine sehr hübsche kleine Hafenstadt an der Mündung der Seine in den Ärmelkanal. Ein sehr großer Stellplatz für Wohnmobile, 11 € für eine Übernachtung, ohne Strom, aber mit Wasserver- und -entsorgung. Und am Wochenende wirklich bis auf den letzten Platz belegt, überwiegend, hatte ich den Eindruck, mit Franzosen, die dort ihr Wochenende mit Freunden verbrachten. Nach der Einsamkeit am Phare d’Antifer kam mir das Kuschelcamping so entgegen, dass ich gleich das ganze Wochenende blieb. 

 

Ich hatte allerdings auch zwei Programmpunkte auf dem Zettel. Zum einen wollte ich sehr gerne die Pont de Normandie sehen, die man – zu meinem Entzücken – sogar zu Fuß überqueren kann und außerdem wollte ich gerne das Städtchen besichtigen, für das es in der Touristen-Information sogar einen kleinen Audio-Guide gibt. Ich bin also zugegeben nicht nur Krimi-Groupie sondern vor allem auch Audio-Guide-Fan. Wo immer es solche gibt, Museen, Städte, Ausstellungen… ich muss die haben und hören. Vom Informationsgehalt mal ganz abgesehen mag ich es irgendwie, wenn mir jemand sagt, wo ich langgehen und was ich mir angucken soll.

 

Und da die von Rolf beim Seminar verordnete Fahrradabstinenz für meine Hunde immer noch galt und die Pont-de-Normandie vom Stellplatz doch ein ganzes Stück Fußweg entfernt lag, konnte ich nur schlecht Stadtbesichtigung und Brücke an einem einzigen Tag abreißen, zumal ich wirklich auch einfach gerne mal am oder im Wohnmobil sitze und einfach nur lese. Oder gar nichts tue.

 

Die Pont-de-Normandie war sehr beeindruckend. Die Seine hatte ich überhaupt noch nie so weit flußabwärts gesehen. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht oder ob das eben typisch deutsch ist, aber für mich ist die Seine irgendwie ganz und gar mit Paris verbunden und sie hier, schon fast an der Mündung in den Ärmelkanal, zu sehen und zu wissen, dass sie eben gerade noch (gefühlt) durch Paris geflossen war, hat mich irgendwie tatsächlich ein bisschen wehmütig gemacht. Leider hat mich der Blick auf den Fluss beim Laufen so fasziniert, dass ich so richtig schön mit Wucht gegen einen der Brückenpfeiler gelaufen bin, so sehr, dass ich einfach, wie vom Blitz getroffen, zu Boden gesackt bin. Zum Glück hat mich kein Autofahrer bemerkt. Hoffe ich jedenfalls. Aber da kann man mal sehen: Ich bin einfach nicht multitaskingfähig.

Ein Tag in Honfleur
Ein Tag in Honfleur

Jobourg

Als letztes festes Ziel für meinen Normandie-Urlaub hatte ich mir vorgenommen, Jobourg anzufahren. Eigentlich hätte ich auch noch Le Mont-Saint-Michel besichtigen wollen, aber irgendwie lief mir die Zeit davon, davon abgesehen, dass es dort die nächsten Tage noch mal ziemlich heiß hätte werden sollen und ich die Hunde nicht den ganzen Tag alleine im Wohnmobil lassen wollte, um auf Besichtigungstour zu gehen.

 

Jobourg war großartig. Der Stellplatz ist im Grunde ein Wanderparkplatz direkt am Meer, ohne Service, ohne alles, aber auch ohne Kosten und vor allem: Ich stand da ganz alleine. Das schön, wild-romantisch, aber auch ein ganz kleines bisschen gruselig und wie immer war ich mehr als froh, dass ich meinen Riesenschnauzer an meiner Seite und im Wohnmobil hatte. Das Wandern jedenfalls ist auch in Jobourg einfach fantastisch, wenn man davon absieht, dass ich es geschafft habe, in eine Gruppe Jäger mitsamt ihren selbstverständlich freilaufenden Jagdhunden reinzulaufen, was meinen Puls kurzzeitig zum Galoppieren brachte. Aber das Meer, die menschenleeren Strände und der Küstenwanderweg waren das allemal wert.

Camembert, Cidre, Calvados

Nach dem Trip entlang des Ärmelkanals wollte ich mir eigentlich das Hinterland der Normandie und die drei großen Cs auf keinen Fall entgehen lassen. Und das alles war einfach phantastisch. Außerdem konnte ich, zum Ende meiner Reise, auch noch feststellen, dass man in der Normandie ganz ausgezeichnetes Bier aus lokalen, kleinen Brauereien kaufen kann. Kulinarisch gesehen also in jedem Fall sehr lohnenswert. Nach St. Germain de Montgommery bin ich eigentlich nur wegen des klangvollen Namens gefahren und bin dort rein zufällig, weil ich ein Hinweisschild am Straßenrand gesehen hatte, auf einem der Stellplatz der France Passion gelandet. Und wie immer bei France Passion war der Empfang herzlich, der Stellplatz schön und ich hinterher um einige lokale Erzeugnisse (Calvados und Cidre) reicher.

Detlev und ich und la France Passion. Encore und fois. Calvados und Cidre.

Ry

Und wer, wie ich, in der Schule Madame Bovary lesen musste und sich sowieso gerade in der Normandie aufhält, der muss eigentlich auch einmal den klitzekleinen Ort Ry besuchen. Da ist es nicht nur landschaftlich richtig schön, dort kann man sozusagen auch auf den Spuren von Emma Bovary wandeln, entweder mit einem ausgedehnten Spaziergang rund um den Ort oder einer größeren Fahrradtour in der Region. Am Office de Toursime in Ry kann man nicht nur sein Wohnmobil parken, Wasser bekommen und dort auch übernachten, man kriegt dort auch entsprechendes Informationsmaterial und kann sich auf den Weg zu den verschiedenen Rundtouren machen. Sogar ein kleiner Rundgang durch den Ort mit verschiedenen Infotafel zum Leben von Gustav Flaubert sowie Zitaten aus Madame Bovary gab es. Ich war im Groupie-Himmel.

Nach Ry dann allerdings ging es für uns wieder Richtung Bremen. Es war ein toller Urlaub. Die Normandie ist so wunderschön, die Menschen überall waren sehr, sehr nett und ausgesprochen entspannt und auch großzügig, was meine Hunde angeht. Wenn man meinen nicht unbedingt immer freundlichen Riesenschnauzer kennt, keine Selbstverständlichkeit. Ich werde bestimmt wiederkommen.

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