Carotte und der Maulkorb

In letzter Zeit wurde ich viel auf Carottes Maukorb angesprochen. Auf der einen Seite gehe ich auch wirklich offensiver mit dem Thema um, auf der anderen Seite gibt es gerade hier, an der Nordsee, viel mehr Menschen denen der Maulkorb auffällt oder jedenfalls, die mich darauf ansprechen.

 

Ich habe mich lange Zeit sehr, sehr schwer damit getan, Carotte einen Maulkorb aufzusetzen. Das lag ganz sicher auch daran, dass Carotte erstens auf Spaziergängen gerne Dinge mit sich rumträgt und dass zweitens mit einem Spieli ein Notfallabruf gut zu konditionieren und auch immer wieder aufzufrischen ist. Mit einem Maulkorb geht beides natürlich nicht mehr.

 

Auch jetzt bei unsrem Kurztrip an die Nordsee schwingt ein bisschen Sehnsucht mit, wenn ich mit Carotte ans Meer gehe und ich ihr eben nicht ihr Spieli schmeißen kann, damit sie es wieder und wieder aus den Fluten des Meeres retten kann. Dafür kann ich aber entspannt sein, wenn Leute ihre Hunde an (gefühlten) 50 Meter-Leinen über den Strand rennen lassen oder freudestrahlend mit ihren angeleinten Hunden auf mich zumarschiert kommen, damit die Hunde mal spielen können. Obwohl ich sagen muss, hier in Harlesiel ist mir beides nur je einmal passiert.

 

Aber schon für dieses eine Mal hat es sich für mich und für Carotte gelohnt, dass sie einen Maulkorb trägt. So bleibe ich entspannt und Carotte, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, ebenfalls, es gibt keine Verletzten und jeder kann unbehelligt seines Weges gehen.

 

Carotte ist eben doch ein Spiegel meiner Seele. Wir haben nicht wahnsinnig viel Sozialgrazie und bleiben gerne für uns. Und wie ich kann Carotte darüber, wenn sie erst mal im Arbeitsmodus ist, großzügig hinwegsehen und fehlende Sozialgrazie wenigstens vortäuschen, so lange es nötig ist.

 

Auf meine Posts zu dem Maulkorb-Thema bei Facebook und Instagram habe ich viele kontroverse Reaktionen erhalten. Es gibt Menschen, die mich privat anschreiben und die mich ermutigen und von ihrer eigene Geschichte mit ihrem Hund erzählen. Aber es gibt auch solche, die mir mehr oder minder unverblümt vorwerfen, mir nicht genug Mühe mit meinem Hund zu geben, nicht genug trainieren zu wollen oder die mich schlicht als Tierquäler bezeichnen.

 

Irgendwie finde ich diese so unterschiedlichen Reaktionen ja gut. Wie eine befreundete Therapeutin immer sagt, alles wäre viel einfacher, wenn die Menschen mehr miteinander sprechen würden. Und wenigstens sprechen wir.

 

Ich wurde auch mehrfach gefragt, wie ich Carotte den Maulkorb antrainiert hätte, weil man auf den Posts und vor allen Dingen in den Videos auf Instagram gut sehen kann, dass Carotte der Maulkorb nicht anzufechten scheint. Meine ehrliche Antwort lautet: Gar nicht! Ich habe ihr den Maulkorb aufgesetzt und keine große Sache draus gemacht. Für uns ist es ein Maulkorb, für den Hund erst einmal nur ein Stück Plastik. Ein paar Mal hat Carotte einen fulminanten Wutanfall wegen des Maulkorbs bekommen und das habe ich korrigiert. Seitdem ist das Thema für sie und für mich durch.

 

Vorhin wurde ich von meinem sehr netten Wohnmobilnachbarn zur rechten angesprochen, der wissen wollte, ob Carotte denn immer einen Maulkorb tragen müsse. Ich habe ihm also erklärt, warum Carotte den Maulkorb trägt, wie wenig ihr das auszumachen scheint und warum mich das eben auch entspannt, wenn sie ihn trägt. Daraufhin erzählte er mir, dass sein Hund auch so schwierig sei und deshalb immer zu Hause bleiben müsse, wenn er mit dem Wohnmobil unterwegs sei.

 

Ich kann das so gut verstehen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich auch ohne Maulkorb jetzt, mitten in der Hauptsaison, mit Carotte an die Nordsee gefahren und an den Hundestrand gegangen wäre. Ich glaube eher nicht. So aber verbringen wir ein fantastisches Wochenende mit Wattwanderungen, Radtouren, Schwimmen in der Nordsee und Abhängen vor, neben und im Wohnmobil und lassen es uns gutgehen. Mit Maulkorb.

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