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Sekundenglück seit 30 Jahren: Herbert Grönemeyer in Bremen

Letztes Wochenende war es so weit: Herbert Grönemeyer war mal wieder in Bremen. Und meine beste und liebste Freundin und ich waren, wie immer, mit dabei. Wir hatten vorher schon versucht uns zu erinnern, wann wir ihn das erste Mal live auf der Bühne gesehen hatten. Herbie hatte die Antwort – vor 30 Jahren, auf seiner Sprünge-Tour, und wir waren mit dabei.

 

Wie viel Lebenszeit ist seitdem vergangen. 30 Jahre, in denen ich geheiratet habe, nach Amerika gezogen bin, Kinder bekommen habe, meine Ausbildung und meine Ehe beendet habe, meine Mutter beerdigt. Ein halbes Jahrhundert Leben, geteilt mit meiner Freundin. Eigentlich unvorstellbar.

 

Wir sind immer hingegangen, wenn Herbie auf Tour gewesen ist. Meistens in Bremen, manchmal, wenn Bremen nicht auf seinem Tourplan war oder das Konzert hier schon ausverkauft, auch in Hamburg oder Berlin. Einmal war er open air im Weserstadion, damals hatten meine Freundin und ich meine Kinder dabei, die wir auf den Schultern trugen, damit sie 1.) im Gewühl nicht untergehen und 2.) sie trotz der Menschenmassen auch ein bisschen was sehen konnten.

 

Irgendwann, noch vor dem Konzert, ist jemand von der Security auf uns aufmerksam geworden und hat uns eingeladen, nach vorne in den VIP-Bereich zu kommen. Und damit nicht genug gab es dort auch noch ein paar sehr nette und freundliche Mitarbeiter, die meine beiden Söhne kurzerhand über die Absperrung an der Bühne hoben, damit sie im Fall der Fälle nicht von irgendwelchen Menschen erdrückt werden konnten. So nahe bin ich weder vorher noch nachher jemals bei einem Konzert an der Bühne gewesen. Und meine Söhne waren sehr entzückt, weil Grönemeyer immer wieder während des Konzert mal zu ihnen rüber kam und Dönekens mit ihnen gemacht hat. Als der Drummer am Ende des Konzert dann noch seine Drumsticks an die beiden verschenkte, war das Sekundenglück einmal mehr perfekt.

 

Ich verbinde also viele, sehr persönliche Erinnerungen an Herbies Konzerte und mehr noch, viele gemeinsame Erinnerungen mit meiner besten Freundin. Es ist sehr tröstlich, mit ihr und mit ihm zusammen älter zu werden. Witzigerweise wurde es uns erst bei diesem Konzert so richtig klar, er ist nur ein läppisches Jahrzehnt älter als wir. Damals, bei seinem Sprünge-Konzert, hatte ich irgendwie das Gefühl, er hätte auch mein Vater sein könne, so viel älter kam er mir vor.

 

So oder so, Herbie hat es einfach immer noch drauf. Sein jüngstes Konzert hier in Bremen war genau so, wie seine Konzerte immer sind: Mitreißend, fröhlich und kurzweilig. Mittlerweile stehen wir nicht mehr im Innenraum sondern sitzen, etwas alt und vielleicht auch etwas langweilig, auf der Tribüne. Was uns allerdings, wenn auch zum Leidwesen unserer Mitsitzenden, nicht davon abhalten kann, an den entsprechenden Stellen aufzuspringen und mitzutanzen. Auch auf der Tribüne. Aber wir waren in guter Gesellschaft. Am Ende des Abends gab es nicht mehr viele Menschen auf den Tribünen, die es noch auf ihren Sitzen gehalten hätten.

 

Und als hätte das Universum gewusst, dass diesem Abend noch irgendwie ein I-Tüpfelchen aufgesetzt werden musste, ist auch noch die Vorortbahn ausgefallen, so dass wir, ganz wie in alten Zeiten, uns mit Straßenbahn und Bus in unsere nördlichen Vororte aufmachen mussten. Irgendwie war das ein passender Abschluss für diesen tollen, aber auch etwas nostalgischen und wehmütigen Abend.

 

Irgendwo hat Herbie mal gesagt, er wolle mit 87 Jahren (oder so) das letzte Konzert geben. Ich hoffe sehr, wir sind dann immer noch dabei, tanzend auf der Tribüne.